ungarische Kunst.

ungarische Kunst.
ụngarische Kunst.
 
Funde aus der Zeit der Landnahme (um 896) lassen Zusammenhänge mit der Steppenkunst erkennen. Viele Bauten des Mittelalters wurden durch den Mongolensturm (1241) und während der Türkenherrschaft zerstört. Große Kirchen der Romanik sind u. a. in Fünfkirchen und Ják erhalten, nur als Ruine die Prämonstratenserkirche in Zsámbék (bei Budapest). Architektur und Bauplastik lassen Beziehungen zu Deutschland (u. a. Bamberg) und Italien (besonders Lombardei) erkennen. Bedeutendster Profanbau war das spätromanische Arpadenschloss in Gran (Kapelle 1935-37 freigelegt). Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts breitete sich der gotische Stil aus (ehemalige Franziskanerkirche in Ödenburg), der bis ins 16. Jahrhundert dominierend blieb und auch eine reiche Plastik prägte. In der Freskenmalerei wurde byzantinischer Einfluss (Krypta der Pfarrkirche in Feldebrő bei Erlau, Ende des 12. Jahrhunderts) durch französische (Magdalenenkirche in Sopronbánfalva, heute zu Ödenburg; Sankt Andreas in Hidegség bei Ödenburg; kalvinistische Kirche in Vizsoly, Bezirk Borsod-Abaúj-Zemplén; 12.-13. Jahrhundert), später durch italienische Einflüsse (Burgkapelle in Gran, 14. Jahrhundert) abgelöst. Die ersten Tafelbilder (15. Jahrhundert) verbinden Züge der deutschen mit solchen der italienischen Gotik. - Zur Entwicklung in den Randgebieten Siebenbürgen, slowakische Kunst.
 
Gegenüber der Bürgerkunst der Städte war die Kunst am Hof der Anjou und Luxemburger aristokratisch-europäisch orientiert (gotische Statuen in der Burg von Buda). Dank Matthias I. Corvinus und seiner berühmten Bibliothek, der Corvina, fand die italienische Renaissance früh Eingang (Bakócz-Kapelle in Gran, zwischen 1506 und 1510). Überwiegend österreichische Künstler und Vorbilder bestimmten die nach der Türkenherrschaft aufblühende ungarische Barockkunst. Klöster, Kirchen und weltliche Bauten in Raab, Erlau, Stuhlweißenburg, Jászó (heute Jasov, Slowakische Republik) u. a. wurden von Malern wie D. Gran, P. Troger, F. A. Maulbertsch und J. L. Kracker mit gewaltigen Fresken geschmückt.
 
Im 19. Jahrhundert entstanden in Budapest Bauten des Klassizismus (Nationalmuseum 1837-47, von Mihály Janos Pollack, * 1773, ✝ 1855), der Neurenaissance (Oper 1875-84, von Miklós Ybl, * 1814, ✝ 1891) und der Neugotik (Parlament 1884-1904, von I. Steindl). Der Versuch einer typisch »magyarischen« Architektur war das Kunstgewerbemuseum Ö. Lechners (1893-96). I. Ferenczy vertrat die klassizistische Bildhauerkunst, M. Izsó die nationale Romantik. Nationale Bildthemen wurden von B. Székely von Ádámos in der Art der Wiener und Münchener Historienmaler gestaltet, zum Teil sozialkritisch von M. Munkácsy. Führender Meister der Malerkolonie »Szolnok«, deren Mitglieder unter unmittelbarer Beobachtung der Natur v. a. Landschafts- und Genrebilder malten, war A. Fényes. Die sich 1896 herausbildende und 1902 gegründet Künstlerkolonie in Nagybánya (heute Baia Mare) widmete sich gleichfalls der Freilichtmalerei (u. a. P. Szinyei Merse, K. Ferenczy). Der bedeutendste Vertreter des Postimpressionismus, J. Rippl-Rónai, gehörte zu den Nabis. Csontváry war Gründer einer visionär-expressiven Malerei. Die Künstlergruppe »Nyolcak« (1909-14) hielt sich an die Lehren von P. Cézanne und die der Fauves. Bedeutender Bildhauer des Kubismus war J. Csáky. Aus dem Künstlerkreis um L. Kassák stammen hervorragende Vertreter des Konstruktivismus, u. a. S. Bortnyik (sein bekanntester Schüler wurde V. Vasarély), ferner L. Moholy Nagy, der am Bauhaus lehrte. Die Grundsätze des Bauhauses wirkten in den 20er-Jahren auch auf die Tätigkeit der Architektengruppe »Cirpac«. Die künstlerischen Tendenzen zwischen den beiden Weltkriegen zeigen u. a. die Werke G. Derkovits', die sich sozialen Themen widmen, ferner die lyrisch-pantheistischen Landschaftsbilder von J. Egry und die tief dramatischen surrealistischen Visionen von Lajos Vajda (* 1908, ✝ 1941). Die Bildhauerkunst der Epoche stand unter dem Einfluss von A. Maillol: Ferenc Medgyessy (* 1881, ✝ 1958), Beni Ferenczy (* 1890, ✝ 1967). Die Gruppe »Európai Iskola« (1945-49) vereinigte die surrealistischen und abstrakten Tendenzen. Anfang der 60er-Jahre bildete sich eine Künstlergruppe um T. Csernus, ausgehend von stark realistischen Strömungen einschließlich Pop-Art (L. Lakner). Sehr individuell geprägt sind die Gemälde und Grafiken von B. Kondor und die Werke der Bildhauerin Erzsébet Schaár.
 
Um 1965 entfaltete die sich an internationalen Strömungen orientierende junge Avantgarde ein breites Spektrum künstlerischer Aktivitäten zwischen den Gegenpolen konstruktivistisch-serieller Kunst (A. Péter Türk, * 1943) und Aktionismus (M. Erdély; Tamás Szentjóby, * 1944). Neben Vertretern der Avantgarde wie Endre Bálint (* 1914, ✝ 1986), Ilona Keserü (* 1933) oder István Nádler (* 1938) und der Transavantgarde wie Imre Bak (* 1939) oder Ákos Birkás (* 1941), die die unterschiedlichen Linien der reichen Tradition der modernen ungarischen Kunst weiterentwickelten, werden in den 80er- und 90er-Jahren verstärkt auch Tendenzen der zeitgenössischen westlichen Kunst aufgegriffen. Die Malerei zeigt eine Vielfalt individueller Stile. Die gestisch-koloristische Tradition führen Tamás Soós (* 1955) und Zoltan Sebestyén (* 1954) fort. Im Bereich einer Malerei, die sich mit der sichtbaren Realität auseinander setzt, arbeiten so verschiedene Künstler wie András Koncz (* 1953), Károly Kelemen (* 1948), László Féher (* 1953), Sándor Pinczehelyi (* 1946), István Mazzag (* 1958), Áron Gábor (* 1954) und István Ef Zámbó (* 1950), deren Werke die Spannweite von der realistischen Abbildung bis zum postmodernen Zitat zeigen. Internationalen Rang behaupten die Skulpturen u. a. von Attila Mata (* 1953), Ildikó Várnagy (* 1944), László Fe Lugossy (* 1947), György Cseszlai (* 1957), Lajos Klicsu (* 1957), El Kazovszkij (* 1948), Klára Borbás (* 1955); die Grenze zur Rauminstallation überschreiten Géza Samu (* 1947), Imre Bukta (* 1952), János Szirtes (* 1954) und János Sugár (* 1958).
 
Innerhalb der modernen zeitgenössischen Architektur traten u. a. Imre Makovecz (* 1935; Kulturhaus in Sárospatak [Bezirk Borsod-Abaúj-Zemplén], 1981; Kirche von Paks, 1990), István Janáky (Bürogebäude in Budapest, 1993) und Gábor Turáni, der sich mit der modernen ungarischen Architektur der 30er-Jahre auseinander setzt, hervor.
 
 
A. Kampis: Kunst in Ungarn (a. d. Ungar., Budapest 1966);
 E. Körner: Die u. K. zw. den beiden Weltkriegen (a. d. Ungar., Dresden 1974);
 
Neue Architektur in Ungarn, hg. v. J. Szendröi (a. d. Ungar., 1978);
 L. Németh: Kurze Gesch. der u. K. (a. d. Ungar., Budapest 1979);
 
Kunstdenkmäler in Ungarn, hg. v. R. Hootz (a. d. Ungar., 21981);
 
Franz Anton Maulbertsch u. sein Kreis in Ungarn, hg. v. E. Hindelang, Ausst.-Kat. (1984);
 
Ungar. Malerei der 80er Jahre, bearb. v. L. Hegyi u. K. Neray, Ausst.-Kat., Dortmund (1987);
 
80 Jahre ungar. Malerei von der Romantik bis zum Surrealismus, bearb. v. L. Beke u. a., Ausst.-Kat. (a. d. Ungar., 1989);
 
Ungar. Avantgarde in der Malerei der achtziger Jahre, bearb. v. L. Hegyi, Ausst.-Kat. (1989);
 
Kunst heute in Ungarn, hg. v. G. Uelsberg, Ausst.-Kat. Neue Galerie, Aachen (1989);
 
Kunst-Landschaft Ungarn, Beitrr. v. G. Biedermann u. a. (1990);
 
Acht Ungarn. Zeitgenöss. Kunst aus Ungarn, übers. v. M. Pálvölgyi, Ausst.-Kat. Neue Galerie Graz (Szombathely 1992);
 
Grenzenlos. 15 Künstler aus Ungarn, bearb. v. V. Schwarz, Ausst.-Kat. Haus des Dt. Ostens, München (1996).

Universal-Lexikon. 2012.

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